In unserem Podcast „Wein mit Freunden“ präsentieren euch Antonia, Benni, David, Memo, Gianluca und Cossi alle zwei Wochen einen Wein aus unserem Sortiment. Als Weingenießer, aber auch als Profis: Antonia, Memo und David haben den WSET Level 3 (Wine Spirit Education Trust). Sie erzählen euch Interessantes und Wissenswertes aus der Weinwelt und Gianluca verrät euch die besten Wein-Speisen Kombinationen zu den Weinen.
In Folge #98 haben wir den Jamek Vierblattl Gelber Muskateller Federspiel 2024 im Glas. Der duftige Weißwein aus der Wachau bringt genau das mit, was man sich von einem Gelben Muskateller wünscht: Frische, Leichtigkeit und intensive Aromatik.
Rebsorte
Gelber Muskateller
Gelber Muskateller zählt zu den ältesten Rebsorten der Welt und innerhalb der großen Muskatellerfamilie als besonders fein, präzise und elegant.
Zur Muskateller-Familie gehören viele verwandte Rebsorten. Zu den wichtigsten zählen:
Gelber Muskateller (international Muscat Blanc à Petits Grains, in Italien Moscato)
Goldmuskateller
Roter Muskateller
Rosenmuskateller
Typisch für diese Familie ist ihr ausgeprägt aromatischer Duft nach Muskat, Blüten, Trauben und oft exotischen Früchten. Viele denken, dass Muskateller immer süße Weine sind. Das stimmt aber nicht, viele Weine werden trocken ausgebaut.
Der Gelber Muskateller gilt innerhalb der großen Muskatellerfamilie als besonders fein, präzise und elegant. Typisch für die Rebsorte sind die deutlich wahrnehmbaren Aromen von Holunderblüte, weißen Blüten, Zitrusfrüchten, Pfirsich, Rosenblättern aber vor allem auch Muskat (wie der Name schon verrät).
Gerade in der Wachau entstehen aus Gelber Muskateller besonders präzise und duftige Weine, weil das einzigartige Zusammenspiel aus warmen Tagen, kühlen Nächten, den steilen Terrassenlagen und den steinigen Urgesteinsböden perfekte Bedingungen für aromatische, aber dennoch elegante Weißweine schafft. Gelber Muskateller lebt vor allem von seiner Frische und seiner ausdrucksstarken Frucht, weshalb er klassischerweise jung getrunken wird.
Der Wein
Der Jamek Vierblattl Gelber Muskateller Federspiel 2024 präsentiert sich im Glas in einem hellen Gelb und verströmt sofort seinen unverkennbaren Duft nach Muskatellerblüten, Flieder, Holunderblüte, Zitruszesten und einem Hauch exotischer Frucht. Am Gaumen bleibt der Wein seiner Nase treu: saftig und präzise, mit feiner Fruchtsäure, animierender Frische und einer herrlich klaren Struktur. Mit seinem moderaten Alkoholgehalt bleibt er elegant und zugänglich, ohne jemals an Ausdruck zu verlieren. Genau das macht ihn zu einem Paradebeispiel für einen gelungenen Federspiel-Wein aus der Wachau.
Auch der Name „Vierblattl“ hat Tradition: Josef Jamek benannte die Linie 1957 anlässlich der Geburt seiner vierten Tochter – sein persönliches vierblättriges Kleeblatt.
Der Jahrgang 2024 stellte die Winzer in Österreich vor einige Herausforderungen. Ein ungewöhnlich warmer Winter und Frühling sorgten zunächst für einen frühen Vegetationsstart und eine sehr frühe Blüte. Ende April führten Frostnächte regional zu Schäden in den Weinbergen, bevor ab Juli eine langanhaltende Hitzeperiode den Sommer bestimmte. Mitte September sorgten starke Regenfälle sogar für eine zweiwöchige Unterbrechung der Lese. Trotz dieser Wetterextreme gilt der Jahrgang 2024 insgesamt als sehr vielversprechend. Die Weine zeigen sich mit moderatem Alkohol, präziser Frucht, feiner Würze und einer bemerkenswert ausgewogenen Struktur.
Der Winzer
Das Weingut Jamek in Joching zählt zu den absoluten Pionieren des modernen österreichischen Qualitätsweinbaus und genießt weit über die Wachau hinaus einen herausragenden Ruf. Kaum ein anderes Weingut hat die internationale Wahrnehmung österreichischer Weißweine so nachhaltig geprägt wie Jamek. Seit Generationen steht der Name für Herkunft, Präzision und Eleganz – Werte, die bis heute den Stil des Hauses definieren.
Gegründet wurde das Weingut in den 1910er-Jahren, als die Familie Jamek zunächst noch gemischte Landwirtschaft betrieb. Den entscheidenden Wendepunkt brachte jedoch Josef Jamek, der nach dem Zweiten Weltkrieg den Betrieb übernahm und die Weinwelt der Wachau nachhaltig verändern sollte. In einer Zeit, in der süße Weine in Österreich dominierten, setzte er konsequent auf trockene, sortenreine Weißweine – klar, elegant und geprägt vom Terroir ihrer Herkunft. Damit legte er den Grundstein für den Stil, der die Wachau bis heute international prägt.
Ab den 1950er-Jahren etablierte sich Jamek als wegweisender Produzent von trockenem Wachauer Riesling und Grünem Veltliner. Josef Jamek setzte früh auf selektive Handlese, temperaturkontrollierte Gärung und den Ausbau in Edelstahl, um Frische, Präzision und Mineralität bestmöglich zu bewahren. Seine Weine wurden damit zum Vorbild für eine ganze Generation österreichischer Winzer. Heute wird das Weingut von Julia und Herwig Jamek geführt und bewirtschaftet rund 25 Hektar Rebfläche in renommierten Wachauer Lagen wie Achleiten, Klaus, Hochrain und Pichlpoint.
Trotz moderner Kellertechnik bleibt die Philosophie unverändert: authentische Weine zu erzeugen, die ihre Herkunft unverfälscht widerspiegeln. Diese Handschrift zeigt sich auch im Vierblattl Muskateller deutlich: aromatisch und duftig, dabei jedoch stets präzise, elegant und niemals überladen. Das klassisch gehaltene Etikett unterstreicht den traditionellen Anspruch des Hauses – denn in der Wachau gilt seit jeher: Wer Qualität liefert, braucht kein lautes Design.
Wein-Speisen Kombination
Kulinarisch ist der Jamek Vierblattl Gelber Muskateller ein echter Allrounder. Besonders gut funktioniert er zu asiatischen Gerichten mit leichter Schärfe, da seine aromatische Frucht wunderbar mit würzigen und leicht scharfen Speisen harmoniert. Zu einem Mango-Avocado-Garnelen-Salat mit frischer Zitrone spielt der Wein seine Stärken voll aus.
Wer es etwas eleganter mag, kombiniert ihn mit einem Pfirsich-Carpaccio, Burrata, Basilikum, gutem Olivenöl und ein paar Tropfen gereiftem Balsamico – ein Pairing, das die florale und fruchtige Aromatik des Weins perfekt aufgreift.
Und natürlich darf bei einem Wachauer Wein die Marille nicht fehlen. Die Marille ist eines der wichtigsten Kulturgüter der Wachau und prägt die Region sowohl landschaftlich als auch kulinarisch - außerhalb Österreichs wird sie meist als Aprikose bezeichnet. Besonders schön funktioniert der Muskateller sogar zu klassischen Marillenknödeln, deren fruchtige Süße und leichte Würze sich überraschend harmonisch mit dem Wein verbinden. Für Marillenknödel werden Kartoffeln weich gekocht, geschält und fein gepresst. Anschließend verarbeitet man sie mit Mehl, Grieß, Butter, Eigelb und etwas Salz zu einem glatten Teig, der kurz ruhen sollte. Entsteinte Marillen können nach Belieben mit einem Stück Würfelzucker gefüllt, mit Teig umhüllt und zu Knödeln geformt werden. Danach lässt man sie in leicht siedendem Salzwasser gar ziehen, bis sie an die Oberfläche steigen. Zum Schluss wälzt man die Knödel in goldbraun gerösteten Butterbröseln und serviert sie warm.
Benni und Cossi sind sich aber einig: Eigentlich braucht dieser Wein gar kein Essen. Am stärksten performt er solo als Aperitif – oder wie wir sagen würden: als perfektes „Ankommerle“, sprich man serviert ihn dem „ankommenden“ Gast.
Kulinarische Inspirationen zu genau solchen Kombinationen findet man übrigens auch bei Gianluca auf Tik Tok: iam.gianiluca
Weinwissen
Vinea Wachau Nobilis Districtus und die Bezeichnung DAC
Die Bezeichnung „Federspiel“ auf dem Etikett ist keine Fantasiebezeichnung, sondern Teil des traditionsreichen Qualitätssystems der Vinea Wachau Nobilis Districtus, einer 1983 gegründeten Vereinigung von rund 200 Wachauer Winzern. Ziel dieser Gemeinschaft ist es, die Qualität, Authentizität und Herkunft der Wachauer Weine zu sichern und das einzigartige Terroir der Region klar herauszuarbeiten.
Die Vinea Wachau unterteilt ihre Weine in drei Qualitätsstufen: Steinfeder, Federspiel und Smaragd. Steinfeder steht für die leichtesten, frischesten und duftigsten Weine der Region – unkompliziert, animierend und mit maximaler Trinkfreude. Smaragd bildet die kraftvollste Kategorie und steht für besonders vielschichtige, strukturierte und langlebige Weine mit mehr Dichte und Konzentration. Dazwischen liegt das Federspiel, die wohl klassischste Wachauer Stilistik: elegant, nuancenreich und charakterstark, mit moderatem Alkoholgehalt von maximal 12,5 Prozent. Federspiel-Weine zeigen die Herkunft der Wachau besonders präzise und verbinden Frische mit Struktur und Tiefgang.
Der Begriff selbst stammt aus der Falkenjagd. Als „Federspiel“ bezeichnete man jenes Instrument, mit dem Falken nach der Jagd zurückgerufen wurden – ein traditionsreicher Begriff, der bis heute eng mit der Kultur der Wachau verbunden ist.
Zusätzlich begegnet man in Österreich häufig dem Begriff DAC, kurz für Districtus Austriae Controllatus. Dabei handelt es sich um das gesetzliche Herkunftssystem für gebietstypische Qualitätsweine in Österreich. Ein DAC garantiert, dass ein Wein aus einer klar definierten Region stammt und einem festgelegten Stilprofil entspricht. Während viele österreichische Weinregionen vollständig über das DAC-System klassifiziert werden, nimmt die Wachau mit ihrem traditionsreichen Vinea-Wachau-System eine besondere Stellung ein. Viele Spitzenbetriebe wie Jamek verbinden heute beide Qualitätsverständnisse miteinander: die gesetzlich geschützte Herkunft über DAC und die stilistische Einordnung über die Vinea-Wachau-Klassifikation.
Beim Jamek Vierblattl Gelber Muskateller Federspiel 2024 zeigt sich genau diese Wachauer Philosophie perfekt: klare Herkunft, präzise Stilistik und kompromisslose Qualitätsorientierung.

